Es handelt sich um einen anerkannten Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz. Die 3-jährige Ausbildung erfolgt im Wesentlichen im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Verkürzung der Ausbildungsdauer möglich.
Zum 01.08.2002 trat eine neue Ausbildungsordnung für Industriekaufleute in Kraft. Neben einer Schwerpunktsetzung durch Einsatzgebiete im
3. Ausbildungsjahr beinhaltet die Neuordnung u. a. eine verstärkte Kundenorientierung und eine modifizierte Prüfungsgestaltung. Darüber hinaus wird auf die Vermittlung arbeitsfeldübergreifender Qualifikationen wie z. B. die Anwendung von Informations- und Telekommunikationssystemen und Fremdsprachen Wert gelegt.

Inhalte und Ablauf
Während der Ausbildung lernen die Auszubildenden laut Ausbildungsrahmenplan beispielsweise im 1. Ausbildungsjahr:
- im Bereich Beschaffung und Bevorratung:
wie Angebote eingeholt, geprüft und verglichen werden, wie Bestellmengen und Bestelltermine festgelegt werden - im Bereich Kosten- und Leistungsrechnung sowie Leistungserstellung:
wie Kosten erfasst und überwacht werden wie Instrumente der Kostenplanung und -kontrolle zum Einsatz kommen - im Bereich Ausbildungsbetrieb und Personal:
wie der Ausbildungsbetrieb organisiert ist, welche betrieblichen und tariflichen Regelungen sowie arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen zu beachten sind
- im Bereich Personal:
welche Instrumente zur Personalbeschaffung und Personalauswahl angewendet werden
- im Bereich Buchhaltungsvorgänge und Leistungserstellung:
wie Vorgänge des Zahlungsverkehrs und des Mahnwesens bearbeitet werden - im Bereich Erfolgsrechnung und Abschluss:
wie Kennzahlen zur Darstellung des betrieblichen Erfolges ermittelt und ausgewertet werden
Zwischenprüfung in der Mitte des 2. Ausbildungsjahres
Im 3. Ausbildungsjahr:
- im Bereich Marketing und Absatz:
wie Service-, Kundendienst- und Garantieleistungen situations- und kundengerecht eingesetzt werden und wie Kundereklamationen bearbeitet werden - im Schwerpunktbereich Fachaufgaben werden die Auszubildenden mit Tätigkeiten vertraut gemacht, die während der Berufsausübung auf sie zukommen
Abschlussprüfung
Berufsausübung (ausgewählte Merkmale)
Industriekaufleute können in verschiedenen Wirtschaftszweigen, Branchen und Betrieben tätig werden, z. B. in den Bereichen der Material-, Produktions- und Absatzwirtschaft oder im Bereich Personal- und Rechnungswesen. Je nach Art, Größe und Struktur des Betriebes sind sie in Büros, Lagern und Produktionshallen tätig. Zur Erledigung ihrer vielfältigen Aufgaben in Industrieunternehmen verwenden sie Computer, Telekommunikationsmittel sowie andere Bürogeräte. Zu ihren Arbeitsunterlagen gehören z. B. Ein- und Verkaufsunterlagen, Bestelllisten und Lieferscheine. Außerdem führen sie z. B. Karteien und Personalakten. Sie beachten bei all ihren Arbeiten die gesetzlichen Bestimmungen und Vorschriften.
Aufgaben und Tätigkeiten
Industriekaufleute verkaufen die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens. Sie sind von der Analyse der Marktpotenziale bis hin zum Kundenservice für Marketingaktivitäten zuständig. In der Materialwirtschaft führen sie alle anfallenden Arbeiten von Angebotsvergleichen über Einkaufsverhandlungen mit Lieferanten bis zur Warenannahme und -lagerung aus. In der Produktionswirtschaft planen, steuern und überwachen sie die Herstellung von Waren und Dienstleistungen und erstellen Auftragsbegleitpapiere. Im Verkauf erarbeiten sie Kalkulationen und Preislisten und führen Verkaufsverhandlungen mit Kunden. Im Bereich Rechnungswesen bzw. Finanzwirtschaft bearbeiten, buchen und kontrollieren sie die im Geschäftsverkehr anfallenden Vorgänge. Sie ermitteln den Personalbedarf, wenden Instrumente der Personalbeschaffung an und setzen das Personal ein.
Berufliche Weiterbildung
Qualifizierungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten
Teilnahme an Lehrgängen, Kursen oder Seminaren, z. B. über Einkauf, Finanz- und Rechnungswesen, Kostenwesen, Buchhaltung / Bilanzwesen, EDV-Organisation einschließlich Dokumentation, Teamführung, Teamabwicklung als Führungsaufgabe, Controlling, Personal- und betriebswirtschaftliches Sozialwesen
Aufstiegsfortbildung (nach entsprechender Berufspraxis)
- Industriefachwirt/-in
- Betriebswirt/-in (staatlich geprüft)
- Fachkaufmann/-frau für Außenwirtschaft, Marketing oder Einkauf/Materialwirtschaft
- Bilanzbuchhalter/-in
- Handelsfachwirt/-in
