Auslandspraktikum Portsmouth, UK

Erfahrungsbericht August 2016

Von:

Daniel Halbe (Ausbildung zum Informatikkaufmann, 2. Ausbildungsjahr)
Marcel Vesper (Ausbildung zum Verfahrensmechaniker, 2. Ausbildungsjahr)
Melih Ersin (Ausbildung zum Industriemechaniker, 3. Ausbildungsjahr)

"Als unser Ausbildungsbetrieb Gebr. Kemper GmbH + Co. KG aus Olpe, uns Auszubildenden einen einmonatigen Aufenthalt in Portsmouth angeboten hatte, überlegten wir nicht lange und meldeten uns freiwillig für diese Erfahrung. Eine gute Entscheidung wie sich nachher herausstellen sollte.
 
Jedoch waren wir natürlich nicht die einzigen, welche sich für das Programm beworben haben. KEMPER, bekannt als hervorragender Ausbildungsbetrieb, bot natürlich jedem der ca. 50 Auszubildenden aus allen Lehrjahren diese Chance an. Nach einem kurzen und internen Bewerbungsverfahren, bewertete die Personalabteilung schließlich nach betrieblichen und schulischen Leistungen.

Und so kam es, dass wir: Melih Ersin, 20, Industriemechaniker im dritten Lehrjahr; Marcel Vesper, 19, Verfahrensmechaniker im zweiten Lehrjahr und Daniel Halbe, 18, Informatikkaufmann im zweiten Lehrjahr zu dieser einmaligen Gelegenheit kamen.
 
Nach vielen Wochen der Vorbereitung und Kommunikation, insbesondere mit den Partnerorganisationen IHK Siegen und dem britischen Korrespondenten IBD Partnership, welche dieses Programm, welches von der EU gefördert wird, überhaupt erst initiieren, stieg sowohl die Vorfreude als auch die Aufregung. Da von uns noch niemand langfristig im Ausland war, stellte sich das Programm als komplett neue Erfahrung und Weiterbildung für uns heraus, sowohl beruflich als auch persönlich. Trotz Nervosität und dem nötigen Respekt vor dieser Aufgabe, war uns bewusst, dass uns eine solche Gelegenheit kein zweites Mal angeboten wird und so reisten wir mit reichlich Vorfreude am 07.08.2016 vom Flughafen Frankfurt nach London Heathrow. Von dort aus ging es dann weiter in Richtung Zielort Portsmouth.

Portsmouth ist eine Hafenstadt im Süden Englands mit etwa 200.000 Einwohnern. Neben der schönen Hafenpromenade hat die Stadt auch einiges an Freizeitbeschäftigungen wie Shopping-Center, Pubs, Museen oder den berühmten Spinnaker Tower zu bieten. Zudem befinden sich mit Brighton und Southampton weitere attraktive Städte in der Nähe und selbst die Hauptstadt London mit all seinen Touristenattraktionen und seiner einzigartigen Kultur ist nur etwa 90 Minuten Zugfahrt entfernt. Diese Gelegenheit haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen und besuchten die Hauptstadt Großbritanniens sofort am ersten Wochenende. Wir verbrachten dort den kompletten Tag und haben so viele Sehenswürdigkeiten mitgenommen wie möglich. Von Buckingham Palace, über London Eye bis hin zur beeindruckenden Tower Bridge.

Nun jedoch mehr zu unserem Aufenthalt in Portsmouth: Nach einigen Stunden des Wartens und der Hinreise waren wir am Sonntagabend, den 07.08.2016 bei den Gastfamilien angekommen. Diese Familien wurden von der englischen Partnerorganisation IBD ausgewählt und sind auch dementsprechend erfahren und routiniert was die Aufnahme von Schülern aus dem Ausland angeht. Wir wurden mit typisch britischem Essen und etwas Smalltalk empfangen, was uns den Empfang und den ersten Abend bei der Gastfamilie um einiges erleichtert hat. Wir waren rundum zufrieden mit unseren Unterkünften, insbesondere in Bezug auf das Essen, die Einrichtung, die Sauberkeit und natürlich auch die Sympathie unserer britischen Gastfamilien. Wir haben es uns daher auch nicht nehmen lassen, mit ihnen mal etwas zu unternehmen und ihnen am Ende unseres Aufenthaltes auch ein Geschenk als Zeichen unserer Dankbarkeit zu hinterlassen.

Nachdem wir die erste von insgesamt 28 Nächten im Vereinigten Königreich verbrachten, stand am nächsten Tag, als mit dem Montag die Arbeitswoche begann, ein Seminar bei der Partnerorganisation IBD an. Dort wurden wir ebenfalls sehr herzlich empfangen, was uns bei der Eingewöhnung in den englischen Alltag enorm geholfen hat und das letzte bisschen Heimweh ebenfalls vergessen ließ.
Raja Ali, der CEO der IBD und der Managing Director Alf Tweedy hielten vor uns ein ca. zweistündiges interaktives Seminar um uns die britische Kultur und das Arbeitsleben dort zu erklären. Die beiden schmückten ihren Vortrag stets mit typisch britischem Humor, was die ganze Sache sehr unterhaltsam machte.

Während des Seminars fielen uns immer mehr Unterschiede zwischen der deutschen und englischen Kultur auf, insbesondere in Bezug auf das Arbeitsleben. In England fängt beispielsweise niemand vor 9:00 morgens an zu arbeiten. Ist das in Deutschland vorstellbar?
Ebenfalls erörterten wir Klischees der Deutschen an die Briten und umgekehrt. Raja klärte uns übrigens genauestens über Do´s und Dont´s in Großbritannien auf, sodass wir bestens auf unseren ersten Arbeitstag am nächsten Tag vorbereitet waren. Auffällig war übrigens auch, dass die Kollegen bei der IBD dem Brexit sehr negativ gegenüberstanden.
Die Mitarbeiter der IBD erklärten uns ebenfalls die wichtigste Regel für die Kommunikation in GB, dass man nämlich nie genug „please“, „thank you“ und „sorry“ sagen kann. Sollten wir diese Regel befolgen, versprachen sie uns, werden wir uns sehr schnell eingewöhnen und den britischen Alltag zu schätzen wissen, und sie sollten Recht behalten.
Im Anschluss an das Seminar nahmen wir an einer Stadtführung durch Portsmouth teil und nahmen viele Eindrücke mit. Teil der Stadtführung war beispielsweise das Stadtzentrum, die Universität, das Shopping-Center „Gunwharf Quays“ am Hafen, die Hafenpromenade und ein paar der Museen wie das „Historic Dockyard“ oder „HMS Nelson“. Nach einer langen Tour durch die Stadt, stand am nächsten
Tag der erste Arbeitstag auf dem Plan.

Eingesetzt wurden wir in komplett verschiedenen Bereichen. Während Melih und Marcel bei Pressco Precision Engineering, einer Firma welcher ihrer gewerblich-technischen Arbeit bei Kemper sehr ähnelte, eingesetzt wurden, arbeitete Daniel bei „Game Over“, einem einzigartigen Internet- und Gamingcafé, wo er sowohl seine IT-technischen als auch seine kaufmännischen Kenntnisse vertiefen konnte. Zu Melihs und Marcels Tätigkeiten gehörten unter anderem sägen, entgraten, drehen, schleifen, schweißen, verpacken und Teile der Qualitätssicherung. Durch ihre Erfahrung bei KEMPER und verschiedene Lehrgänge, welche sie vorher erledigt haben, konnten sie sich bestens dort einfinden und ebenfalls einen produktiven Beitrag zu der Arbeit bei Pressco, welche verschiedenste CNC und Metallprodukte fertigen, beitragen. Zu Daniels Aufgaben im „Game Over“ Café gehörten unter anderem das Verwalten des Reservierungs- und Treuepunktesystems oder die Wartung der verschiedenen Rechner und Konsolen. Teilweise wurde er auch im benachbarten Portsmouth Museum eingesetzt, wo Steve Lowe, Besitzer des Cafés und langjähriger Sammler von Konsolen eine Ausstellung hat. Diese Ausstellung brachte natürlich ebenfalls viel Wartungs- und Verwaltungsarbeit mit sich. Nachdem er auch ein bisschen im Lager von „Game Over“ arbeitete und eine Inventur des IT-Equipments durchführte, durfte er am Ende seines Praktikums das Café für insgesamt 2 Tage komplett alleine leiten, da die restlichen Mitarbeiter allesamt verhindert waren.
Uns wurde in den Gastbetrieben sehr viel zugetraut, was und ebenfalls sehr viel Zuversicht und Vertrauen gab. Mit unseren Vorgesetzten und Mitarbeitern hatten wir schon nach kurzer Zeit ein freundschaftliches und kollegiales Verhältnis. Der Abschied von unseren Kollegen nach 4 Wochen fiel uns besonders schwer.

Nachdem wir den kompletten Tag in den Gastbetrieben verbrachten (Arbeitszeiten 9:00 bis 16:00 (Pressco) und 11:00 bis 18:00 (Game Over), verbrachten wir die Abende stets gemeinsam an der Hafenpromenade. Aufgrund des eher überraschenden schönen Wetters in Portsmouth, welches von Sonnenschein geprägt war und Temperaturen von bis zu knapp 30 Grad Celsius erreichte, konnten wir unsere Freizeit stets sehr abwechslungsreich und unterhaltsam gestalten. Zum Beispiel durch Trips durch die Stadt und am Strand von Portsmouth oder Pubbesuche. Am Wochenende blieb uns für solche Dinge natürlich mehr Zeit und so haben wir uns die Zeit dort sehr angenehm gestaltet.

Alles in Allem war das Auslandspraktikum eine geniale Erfahrung, weshalb wir KEMPER sehr dankbar für diese Gelegenheit sind. Wir konnten unser Englisch stark verbessern, sind selbstständiger geworden, haben neue soziale, beruflich und kommunikative Kompetenzen dazugewonnen und hatten natürlich allgemein eine ereignisreiche und unterhaltsame Zeit. Wir haben die britische Kultur und neue Leute kennen und schätzen gelernt und fühlen uns nun sicherer in unvertrauten Situationen. Wir können jedem Auszubildenden diese Chance ans Herz legen und freuen uns auf die Erfahrungen der nächsten Auszubildenden von KEMPER, welche ihre Reise ins Vereinigte Königreich starten."